St. Gallen SG: 18’778 Verfahren – Clan-Betrug im Fokus
Am Mittwoch (29.04.2026) präsentierte die Staatsanwaltschaft SG ihren digitalen Geschäftsbericht 2025 mit steigenden Fallzahlen und verstärkter Ostschweizer Zusammenarbeit.
Bereits zum dritten Mal erscheint der Geschäftsbericht der Staatsanwaltschaft St. Gallen im digitalen Format. Auch dieses Jahr bietet der Bericht spannende Themen und einen abwechslungsreichen Blick hinter die Kulissen der Behörde.
Die Staatsanwaltschaft in Zahlen
Wie in den Vorjahren nehmen die Fallzahlen im Kanton St. Gallen weiter zu. Im Jahr 2025 wurden 5 % mehr Verfahren bei der Staatsanwaltschaft und 5.7 % mehr bei der Jugendanwaltschaft verzeichnet als im Vorjahr. Dank der personellen Aufstockung im Bussenzentrum konnte die Pendenzenlast in diesem Bereich um 28.6 % gesenkt werden. In den übrigen Bereichen – mit Ausnahme des Untersuchungsamtes St. Gallen – ist die Pendenzenlast hingegen gestiegen. Die Untersuchungsämter schlossen insgesamt 18’778 Verfahren ab, wobei das Strafbefehlsverfahren mit 13’080 erlassenen Strafbefehlen die vorherrschende Erledigungsart darstellt.
Einblick: Sozialversicherungsbetrug
Kriminelle Organisationen haben vermehrt die systematische Ausnutzung der Schweizer Sozialversicherungen für sich entdeckt. Die damit verbundenen Strafverfahren werden von spezialisierten Staatsanwältinnen und Staatsanwälten beim kantonalen Untersuchungsamt geführt. Bislang richteten sich diese Verfahren vor allem gegen Einzelpersonen, Ehepaare oder deren Kinder – oft im Zusammenhang mit gewerbsmässigem Rentenbetrug oder Gehilfenschaft. In jüngerer Zeit treten jedoch verstärkt ausländische Familienclans und organisierte kriminelle Gruppierungen in Erscheinung, die darauf abzielen, die Schweizer Sozialversicherungen gezielt, arbeitsteilig und über längere Zeiträume hinweg zu betrügen.
Insbesondere nutzen Gruppierungen aus Süd- und Osteuropa den freien Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt, um betrügerisch Leistungen wie Renten oder Taggelder aus der Unfall-, Invaliden- oder Arbeitslosenversicherung zu erlangen. Aufgrund des hohen Umfangs dieser Fälle sind sie besonders komplex, zeit- und arbeitsintensiv – zahlreiche Beteiligte müssen identifiziert und befragt, während umfangreiche Akten gesichert, ausgewertet und aufbereitet werden, um die betrügerischen Machenschaften nachweisen zu können.
Ausblick: Verstärkte Zusammenarbeit der Ostschweizer Staatsanwaltschaften
Angesichts der stetigen Weiterentwicklung der Kriminalität ist es für die Staatsanwaltschaft unerlässlich, ihre Ressourcen zu bündeln und Strategien kontinuierlich anzupassen. Eine auf kantonale Grenzen beschränkte Ermittlungsführung erweist sich dabei langfristig als weniger effizient. Gleichzeitig gewinnen Spezialisierungen an Bedeutung, da sie fundiertes Fachwissen und umfassende Erfahrung im Umgang mit zunehmend komplexen Strafverfahren erfordern.
Die Herausforderungen der Digitalisierung setzen die Ermittlungsbehörden zusätzlich unter Druck – insbesondere kleinere Kantone stossen dabei an ihre Grenzen, weshalb diese Entwicklungen nicht mehr eigenständig bewältigt werden können. Infolgedessen intensivieren die Staatsanwaltschaften der Ostschweiz ihre Zusammenarbeit. Fachbezogene Arbeitsgruppen, bestehend aus Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Deliktsbereiche, wurden bereits gebildet, um die Strafverfolgungspraxis weiterzuentwickeln und für einen verbesserten Wissensaustausch zu sorgen. Nur durch eine engere Kooperation können Lücken in der Verfolgung vermieden werden, die sich aus fehlenden Spezialisierungen in einzelnen Kantonen ergeben.
Link zum Geschäftsbericht 2025
Quelle der Meldung: STAWA SG