Genf GE: Kriminalität sinkt, aber Keller-Einbrüche nehmen zu

GE Raub 14.08.2026 · 11:16
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Die Kantonspolizei Genf ordnet den Kriminalitätsbericht der FLAG ein: Trotz Anstieg von 2022 bis 2024 sanken die Straftaten 2025 wieder um 4%.

Einordnung des FLAG-Berichts

Ein veröffentlichter Bericht der Fondation pour l’attractivité du canton de Genève (FLAG) beleuchtet die Verbindung von Sicherheit und Attraktivität. Die Untersuchung basiert auf den Daten der polizeilichen Kriminalstatistik, welche jährlich von der Kantonspolizei Genf publiziert wird. Dieser Beitrag zur öffentlichen Debatte wird begrüsst, wozu einige Elemente zur Einordnung ergänzt werden. Für die Jahre 2022 bis 2025 dokumentiert die Studie eine Zunahme der Straftaten. Diese Feststellung trifft zu, muss aber in einen längeren Zeitraum eingeordnet werden.

Entwicklung der Straftaten im langfristigen Vergleich

Seit 2015 folgte die Gesamtzahl der Straftaten gegen das Strafgesetzbuch einer grundlegenden Abwärtsbewegung. Ausgehend von 58’800 Fällen im Jahr 2015 verringerte sich der Wert bis 2019 auf 47’499 und verzeichnete 2021 mit 38’234 den tiefsten Stand. Dieser Tiefpunkt ist vorsichtig zu bewerten, da er in die Phase der Pandemie fiel, die durch gesundheitspolitische Massnahmen sowie eine eingeschränkte Mobilität geprägt war, was verschiedene Kriminalitätsformen vorübergehend sinken liess.

Der anschliessend verzeichnete Anstieg lässt sich zu einem bedeutenden Teil mit der Rückkehr zur Normalität erklären: 2022 wurden 43’838 Straftaten registriert, 2023 waren es 48’084 und 2024 wurde mit 52’146 Delikten ein Höchststand erreicht, worauf 2025 ein Rückgang auf 50’020 erfolgte. Der gewählte Zeitraum der Stiftung beginnt direkt am Ende dieser Sonderphase und deckt den Spitzenwert von 2024 ab, was den beobachteten Anstieg verstärkt darstellt.

Diese langfristige Betrachtung betrifft ebenfalls die Vermögensdelikte als Kernstück des Berichts: 2015 standen 45’179 Fälle den 36’844 Delikten im Jahr 2025 gegenüber. Die Einbrüche zeigen dieselbe Tendenz und sanken von 5’747 auf 3’410, was unter dem Niveau von 2019 liegt.

Rückgang im Jahr 2025 und Städtervergleich

Im Jahr 2025 zeigte sich bereichsübergreifend ein Umschwung. Im Vorjahresvergleich sanken die Straftaten gegen das Strafgesetzbuch um 4%, diejenigen gegen die sexuelle Integrität um 6%, Raubüberfälle um 20%, die Cyberkriminalität um 27% und Fahrzeugdiebstähle um 12%. Bei schwerwiegenden Delikten bleiben die Aufklärungsquoten auf hohem Niveau, so liegt sie etwa bei Straftaten gegen die sexuelle Integrität bei fast 88%.

Hinsichtlich der Positionierung Genfs im interkantonalen Vergleich sind Präzisierungen erforderlich. Der FLAG-Bericht stellt Genf anderen Kantonen wie Zürich oder der Waadt gegenüber. Genf ist jedoch ein fast vollständig städtisches Gebiet, wogegen Kantone wie Zürich oder Waadt grosse stadtnahe und ländliche Zonen umfassen, was ihren Durchschnitt rechnerisch senkt. Ein Städtevergleich ergibt ein ergänzendes Bild.

Die Häufigkeit von Gewaltstraftaten in der Stadt Genf liegt mit 9,8 pro 1’000 Einwohner in der unteren Hälfte der grossen Schweizer Zentren. Sie ist vergleichbar mit jener von Zürich (9,9) und tiefer als in Lausanne (12,6), Biel (11,6), Basel (14,5) oder Yverdon-les-Bains (14,6). Dies trifft auf verschiedene Gewaltformen zu: Tätlichkeiten verzeichnen in Genf 1,4 Fälle pro 1’000 Einwohner, verglichen mit 2,9 in Zürich, 4,1 in Lausanne und 5,0 in Basel.

Einige Indikatoren liegen dagegen höher, wie etwa Drohungen, was zu einer differenzierten Betrachtung statt einer pauschalen Rangliste einlädt. Bei Diebstählen ohne Ladendiebstahl befindet sich Genf mit 53,8 auf dem Niveau von Lausanne (54,1) und Bern (53,0) sowie unterhalb von Basel (68,0). Dass der Kanton zu den am stärksten betroffenen gehört, hängt somit teilweise mit seiner städtischen Struktur zusammen.

Aufklärungsraten und spezifische Deliktsfelder

Die im Bericht genannte niedrige Aufklärungsquote bei Vermögensdelikten von 17,7% trifft zu, fasst jedoch unterschiedliche Gegebenheiten zusammen. Sie beinhaltet schwere Taten wie Raubüberfälle, die zu fast 58% aufgeklärt werden, sowie Delikte mit geringer Nachverfolgbarkeit, welche den Schnitt senken. Dazu gehören Diebstähle aus Kellern in Mietshäusern, die meist ohne Zeugen ablaufen und spät entdeckt werden. Letztere stiegen 2025 von 406 auf 668 Fälle.

Hinzu kommt die grenzüberschreitende Komponente: Während die hohe Mobilität der Täterschaft die Identifikation erschweren kann, ist die tägliche Kooperation mit Frankreich ein zentraler Punkt bei der Bearbeitung dieser Fälle.

Die Einbrüche haben 2025 zugenommen, namentlich in Kellern von Mietshäusern, und die häusliche Gewalt stieg über die Grenze von 2’000 Fällen. Home-Jackings – als gewaltsames Eindringen in ein bewohntes Gebäude definiert – stiegen von 15 Fällen im Jahr 2024 auf 18 im Jahr 2025. Es handelt sich um seltene Ereignisse mit einer Aufklärungsquote von rund 75%. Im Bereich der digitalen Kriminalität steht den sinkenden Fallzahlen eine Zunahme der Schadenssumme gegenüber, was zeigt, dass die Vorgehensweisen an Komplexität gewinnen.

Einsatzzahlen und Massnahmen der Polizei

Im Jahr 2025 bearbeitete die Einsatzzentrale 208’615 Anrufe. Die Polizeikräfte rückten zu 90’220 Einsätzen aus, wovon 85’288 auf die Kantonspolizei und 4’932 auf die Gemeindepolizeien entfielen. Zudem führte die Kantonspolizei mehr als 12’000 Aktionen durch und betreute Grossveranstaltungen sowie Kundgebungen im öffentlichen Raum.

Gegen den Drogenstrassenhandel wurden 29’326 Einsatzstunden aufgewendet. Die Polizei koordinierte den Kampf gegen Betrügereien durch falsche Polizisten und falsche Bankangestellte auf Ebene der Westschweiz und des Tessins und setzte die tägliche Zusammenarbeit mit Frankreich, insbesondere durch gemischte Patrouillen, fort. Mit einem Polizisten pro 350 Einwohner weist Genf eine der höchsten Polizeidichten der Schweiz auf.

Im Jahr 2026 setzt die Kantonspolizei die Anpassung ihres Handelns fort. Bei mehreren Polizeiposten wird die Online-Terminvereinbarung ausgebaut und eine Online-Voranzeige gegen Unbekannt für Opfer von Vermögensdelikten und Cyberbetrug eingeführt. Zudem wird das Schutzdispositiv für Opfer schwerer Straftaten, Belästigungssituationen und schutzbedürftiger Personen verstärkt. Die Gendarmerie hält in Abstimmung mit den Gemeinden und Gemeindepolizeien eine sichtbare Präsenz vor Ort aufrecht, während die Verkehrssicherheit jährlich 550 bis 600 gezielte Aktionen erfordert.

Sicherheitsgefühl und gesetzlicher Rahmen

Die Frage der Mittel und Instrumente für die Sicherheitskräfte bildet Gegenstand der demokratischen Debatte und der zuständigen Behörden unter Einhaltung des rechtlichen Rahmens sowie der Rechtsprechung. Die Polizei führt ihre tägliche Arbeit im gesetzlichen Rahmen fort.

Statistische Zahlen und das Sicherheitsgefühl verlaufen nicht immer parallel. Die jüngsten Ausgaben der lokalen Sicherheitsanalyse (Diagnostic local de sécurité) zeigten ein sinkendes Unsicherheitsgefühl: Der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner, die sich abends in ihrem Quartier unsicher fühlen, ging von 34,2% im Jahr 2016 auf 28,9% im Jahr 2023 zurück. Die nächste Erhebung wird für das dritte Quartal 2026 erwartet und lässt die Bewohnerinnen und Bewohner von dreizehn Gemeinden zu Wort kommen, um die Entwicklung dieser Wahrnehmung zu erfassen.

Quelle der Meldung: Kantonspolizei Genf

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  Redaktion Unfallmeldungen       14 August, 2026 11:16