Hinweis: Keine offizielle Polizeiseite – wir berichten über geprüfte Meldungen von Polizei und Rettungsdiensten
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Genf GE: 600 Black Bloc, Brand und Krawalle – 549 Kontrollen

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Im Zeitraum vom 10. bis 18.06.2026 sicherte die Kapo Genf den G7-Gipfel, stoppte gewaltbereite Black Blocs, führte zahlreiche Kontrollen durch und verhinderte Schwerverletzte.

Im Zuge einer bewilligten und grösstenteils friedlich verlaufenden Demonstration hatten rund 600 Personen, die in zwei Gruppierungen organisiert waren, aus verschiedenen Ländern stammten sowie vorbereitet und ausgerüstet waren, entlang der Route Waffen deponiert. Sie missbrauchten den Umzug, indem sie sich hinter friedlichen Teilnehmenden versteckten und gezielt Banken sowie internationale Organisationen attackierten. Durch ein abgestuftes Vorgehen gelang es den Ordnungskräften, die Bevölkerung, die Institutionen und das Demonstrationsrecht zu schützen. Schwere Verletzungen waren keine zu beklagen.

Ein von organisierten Gruppen instrumentalisierter Demonstrationszug

Am 14. Juni 2026 versammelten sich rund 20’000 Menschen zu einer bewilligten Kundgebung, wobei die grosse Mehrheit friedlich ihre Überzeugungen ausdrücken wollte. Unter den Teilnehmenden befanden sich jedoch etwa 600 Personen, die sich zu zwei sogenannten «Black Blocs» formiert hatten. Der erste dieser Blöcke reihte sich innerhalb des «revolutionären Blocks» an dritter Stelle des Zuges ein – direkt hinter dem Block des feministischen Streiks und demjenigen der Personen mit eingeschränkter Mobilität. Der zweite Block positionierte sich im hinteren Teil des Demonstrationszuges.

Die Mitglieder dieser Gruppierungen waren vermummt und mit Schutzbrillen ausgerüstet. Eine derartige Ausrüstung lässt sich nicht spontan organisieren. Bereits in den Tagen zuvor hatten diese Gruppen entlang der Strecke Material deponiert, darunter insbesondere Waffen, pyrotechnische Gegenstände sowie Utensilien, die für den Bau von Brandbomben wie Molotowcocktails verwendet werden können. Dass diese Depots abseits der friedlichen und schutzbedürftigen Gruppen angelegt wurden, belegt die Vorbereitung und den Vorsatz. Ab 16:15 Uhr verübten diese Personen zahlreiche Sachbeschädigungen und griffen die Sicherheitsabsperrungen wiederholt an.

Risikominderung im Vorfeld

Die Gefahren, die mit einem solchen Gipfeltreffen einhergehen, sind bekannt und dokumentiert. Um gewaltbereite Personen bereits im Vorfeld an der Umsetzung ihrer Pläne zu hindern, wurden ab dem 11. Juni diverse Massnahmen ergriffen. Durch verstärkte Grenzkontrollen an den französisch-schweizerischen Übergängen, die vom OFDF durchgeführt wurden, kam es zu 11 Einreiseverboten in die Schweiz. Zudem wurden 98 von ausländischen Behörden gemeldete Personen sowie 19 von Schweizer Behörden gesuchte Personen festgenommen. Bei 42 Beschlagnahmungen wurden insgesamt rund 200 Gegenstände sichergestellt. Ungefähr vierzig Personen wurden nach Frankreich zurückgewiesen, da ein Aufenthalt, der ausschliesslich der Begehung von Straftaten dient, unzulässig ist – dies gilt auch für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums.

Auf dem Genfer Stadtgebiet führten 126 Beschlagnahmungen zur Sicherstellung einer grossen Menge gefährlicher Gegenstände. Dazu gehörten Messer, Äxte, Hämmer, Glasbrecher, Teleskopschlagstöcke, Pétanque-Kugeln, Gasflaschen, Brandbeschleuniger, pyrotechnisches Material sowie Schutzausrüstung, Sturmhauben und Kleidung zum Wechseln. Einige der pyrotechnischen Artikel entwickeln Temperaturen von 1’500 bis 2’500 Grad, was ein massives Verbrennungsrisiko darstellt. Durch den Entzug dieser Mittel konnte das Schadenspotenzial dieser Personen erheblich verringert werden.

Im Zeitraum vom 10. bis zum 18. Juni führte das im Rahmen des G7-Gipfels eingerichtete System zur Inhaftierung und gerichtlichen Überwachung zu insgesamt 37 Inhaftierungen, wovon neun vorläufige Festnahmen waren. Drei dieser Personen wurden der Staatsanwaltschaft und einer dem Jugendgericht übergeben.

Personen, deren Habseligkeiten vorsorglich eingezogen wurden, erhielten eine entsprechende Quittung. Seit Montag, dem 22. Juni, besteht für sie die Möglichkeit, diese Gegenstände gemäss den auf dem Beleg vermerkten Bedingungen wieder abzuholen. Davon ausgenommen sind Gegenstände, die unter das Gesetz fallen, wie etwa Messer mit symmetrischer, feststehender Klinge, Butterflymesser oder Teleskopschlagstöcke.

Eine Eskalation gezielter Gewalt und eine abgestufte Reaktion

Der Demonstrationszug startete gegen 15:40 Uhr am Quai Wilson und bewegte sich auf der bewilligten Route am rechten Ufer entlang. Ab 16:15 Uhr wurden die Ordnungskräfte mit Wurfgeschossen attackiert. Anschliessend gerieten das Hôtel Beau-Rivage, die Banque du Léman und die Raiffeisenbank ins Visier der Angreifer. Ein Auto sowie ein Container wurden angezündet. Zudem wurden Baustellen geplündert, um an Wurfgeschosse und dort zuvor versteckte Materialien zu gelangen. Weitere Angriffe richteten sich gegen eine UBS-Filiale, den Sitz des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), das Gebäude der Internationalen Fernmeldeunion sowie den Sitz von PricewaterhouseCoopers.

Wegen der anhaltenden Gewalt und nach entsprechenden Durchsagen via Megafon griffen die Ordnungskräfte ab 17:35 Uhr zu Zwangsmassnahmen, die schrittweise und verhältnismässig angewendet wurden.

Die Auflösung der Demonstration

Aufgrund der Sachbeschädigungen, der Angriffe auf die Sicherheitskräfte, der eingeschlagenen Fensterscheiben bei internationalen Organisationen und der Gefährdung friedlicher Demonstrierender wurde die Kundgebung um 18:20 Uhr auf der Avenue Giuseppe-Motta aufgelöst. Die Situation hatte zu diesem Zeitpunkt den Charakter eines Aufruhrs angenommen. Es folgten Warnungen und mehrfache Aufforderungen, den Bereich zu verlassen, wobei allen Anwesenden die Möglichkeit gegeben wurde, sich zu entfernen. Die Organisatoren sowie die Betreuungspersonen wurden darüber in Kenntnis gesetzt. Ab 18:35 Uhr halfen die Ordnungskräfte Familien beim Verlassen des Geländes. Die gewaltbereiten Gruppen setzten ihre Zerstörungen jedoch in Richtung Place des Nations und danach auf der Avenue de France fort, wobei sie auch Feuerwerksraketen direkt auf die Einsatzkräfte abfeuerten.

Ein vorübergehendes Absperrsystem zur Identitätskontrolle

Da sich die gewalttätigen Personen unter die friedlichen Demonstrierenden gemischt hatten, setzten die Ordnungskräfte die Anwendung von Zwangsmassnahmen vorübergehend aus. Stattdessen wurde eine temporäre Festhaltemassnahme eingerichtet, die einzig dem Zweck der Identitätsüberprüfung diente. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese Kontrollen wurden dem Generalstaatsanwalt vorgelegt und von diesem abgesegnet. Diese Massnahme stellte das strafrechtliche Instrument dar, um in der Menge untergetauchte Straftäter zu identifizieren.

Während des gesamten Einsatzes wurde besonders auf Minderjährige und schutzbedürftige Personen geachtet. Diese wurden prioritär kontrolliert und anschliessend entlassen. Mit Unterstützung der Feuerwehr und der Sanität wurden Wasser und Rettungsdecken an die festgehaltenen Personen abgegeben, zudem war die medizinische Versorgung sichergestellt. Während der gesamten Nacht wurden die Sicherheitskräfte im Stadtteil Pâquis weiterhin mit Feuerwerkskörpern und Wurfgeschossen attackiert.

Bilanz

Insgesamt wurden 549 Personen einer Identitätskontrolle unterzogen. Diese Massnahmen dienten keinem Selbstzweck: Die aufgenommenen Personalien fliessen in die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Täter ein. 28 Personen wurden für eine detailliertere Überprüfung auf die Polizeiwache gebracht. Drei Personen wurden vorläufig festgenommen: Zwei von ihnen stehen im Verdacht, Feuerwerkskörper abgefeuert zu haben, während der dritten Person vorgeworfen wird, ein Polizeifahrzeug beschädigt zu haben.

Innerhalb der Kriminalpolizei wurde eine Ermittlungsgruppe eingesetzt. Durch den Abgleich von Bildmaterial und Zeugenaussagen sollen die Verantwortlichkeiten jener Personen geklärt werden, die im Schutz des Demonstrationszuges Straftaten begangen haben. Daten von Personen, gegen die keine strafrechtlichen Schritte eingeleitet werden, werden nicht aufbewahrt. Die Personalien von entlasteten Personen werden nach dem Ende der Ermittlungen gelöscht. Bezüglich der Einsätze von Polizistinnen und Polizisten, gegen die Beschwerden oder Strafanzeigen eingereicht wurden, wurde die Generalinspektion der Dienste (IGS) eingeschaltet. Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Organ, das für strafrechtliche Ermittlungen gegen Polizeibeamte zuständig ist. Aufgrund des laufenden Verfahrens gilt für die Polizei eine strikte Schweigepflicht. Die Kommunikation zu diesen Ermittlungen obliegt ausschliesslich der Verfahrensleitung, namentlich der Staatsanwaltschaft.

Ein umfangreiches Einsatzkonzept, zahlreiche Partner

Das Sicherheitsdispositiv, das vom 10. bis zum 18. Juni in Kraft war, beanspruchte sämtliche Ressourcen der Genfer Kantonspolizei. Täglich standen 2’400 Mitarbeitende im Einsatz, darunter mehr als 1’500 Polizistinnen und Polizisten sowie rund 60 Auszubildende der Polizeiakademie Savatan. Unterstützung erhielt die Kantonspolizei durch Polizeikräfte im Rahmen des IKAPOL-Abkommens, französische Gendarmen, deutsche Polizisten sowie das BZS, welches von der Schweizer Armee unterstützt wurde. Die Armee leitete insbesondere die Einsätze AMBA CENTRO und AERO SUBITO, sicherte in Kooperation mit Frankreich die Lufthoheit und schützte kritische Infrastrukturen. Zudem gewährleistete die Kantonspolizei in Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Liechtenstein den Schutz und den Transit von 22 hochrangigen Persönlichkeiten aus 13 Staaten sowie von sieben Vertretungen internationaler Organisationen.

Während des gesamten Einsatzes rund um den G7-Gipfel hielt die Kantonspolizei ihr normales Dienstleistungsangebot aufrecht und stellte die bürgernahe Arbeit lückenlos sicher. Eine seit dem 1. Juni betriebene Hotline zur Information und Beratung der Bevölkerung verzeichnete zudem über 6’400 Anrufe.

Enge interkantonale und bundesweite Koordination

Die Zusammenarbeit mit den französischen und deutschen Sicherheitskräften sowie die interkantonale und nationale Koordination verliefen reibungslos. Dank vorausschauender Planung und der schnellen Reaktionsfähigkeit der Einsatzkräfte konnten die erfassten Risiken eingedämmt und die Sicherheit im Kanton gewährleistet werden. Dieses Resultat ist das Ergebnis des gemeinsamen Engagements der Kantonspolizei, der Bundesbehörden, der im Rahmen des IKAPOL-Abkommens beteiligten Kräfte, der französischen und deutschen Ordnungskräfte sowie der kantonalen Partner aus den Bereichen Gesundheit und Mobilität, insbesondere mit den Kantonen Waadt und Wallis.

Ein Einsatz im Dienste der Bevölkerung

Das wirtschaftliche und institutionelle Zentrum der Stadt wurde geschützt. Die Sicherheit der Delegationen war gewährleistet. Die Demonstrationsfreiheit wurde gewahrt. Die öffentliche Ordnung konnte angesichts organisierter und entschlossener Gruppierungen wiederhergestellt werden, ohne dass schwerverletzte Personen zu beklagen waren. Dieses Engagement ist in erster Linie den Frauen und Männern zu verdanken, die ihren Dienst unter äusserst anspruchsvollen Bedingungen geleistet haben. Ihnen gilt unsere Anerkennung, und wir danken der Bevölkerung für ihre Unterstützung und ihr Verständnis.

Quelle der Meldung: KAPO GE

  Redaktion Polizei-Schweiz       1 Juli, 2026 11:55