Delémont JU: Falsche Polizisten ergaunern 18 Mio Fr.
Seit 2022 häufen sich in der Romandie Betrugsfälle mit falschen Polizisten; über 5’000 Anzeigen, 18 Mio. Schaden, koordinierte Polizeiaktion gegen die Banden.
Delémont, 3. Juli 2026 – Seit 2022 explodieren in der Westschweiz die Betrugsfälle durch falsche Polizisten. Kriminelle Netzwerke, die ihren Hauptsitz vorwiegend in Frankreich haben, erbeuteten in mehr als 5000 Fällen über 18 Millionen Schweizer Franken. Um die Hintermänner aufzuspueren und gegen die Ausführenden vorzugehen, spannen die Westschweizer Polizeibehörden und fedpol zusammen.
Das Vorgehen ist eingespielt: Ein krimineller Auftraggeber ruft ältere Personen in der Westschweiz an und gibt sich als Polizist oder Bankangestellter aus. Unter dem Vorwand, es habe betrügerische Kontobewegungen gegeben, und mit dem angeblichen Ziel, dem Opfer zu helfen, schickt der Anrufer einen Komplizen an den Wohnort der älteren Person. Dieser behauptet, Kontrollen durchführen zu müssen, und verlangt Bankkarten, Bargeld oder Schmuck. Anschliessend verschwindet der Komplize mit der Beute. Der Betrug basiert zu einem grossen Teil auf psychologischem Druck, indem die Opfer in ein Gefühl von Dringlichkeit und Angst versetzt werden, was sie daran hindern soll, nachzudenken oder die Angaben zu überprüfen.
Trotz zahlreicher Festnahmen und regelmässiger Präventionskampagnen registrierten die Westschweizer Polizeikorps seit 2022 mehr als 5000 derartige Anzeigen. Die Gesamtschadenssumme beträgt über 18 Millionen Schweizer Franken.
Verstaerkte Koordination der Westschweizer Polizeikorps
Bisherige Ermittlungen zeigen, dass organisierte kriminelle Gruppierungen für diese Betrugsmasche verantwortlich sind – agierend mehrheitlich von Frankreich aus. Als Gegenmassnahme hat die Lateinische Konferenz der Chefs der Kriminalpolizei im vergangenen Februar in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Polizei (fedpol) eine gemeinsame Operation gestartet. Diese verfolgt drei Ziele: die Ermittlungen gegen die Auftraggeber zusammenzuführen, die auf Schweizer Boden agierenden Komplizen zu behindern und abzuschrecken sowie die Prävention zu intensivieren.
Die Illusion vom schnellen Geld: Die zynische Realitaet der «Kuriere»
Um die Beute in der Schweiz abzuholen, rekrutieren die kriminellen Netzwerke sogenannte «Kuriere». Dabei handelt es sich zumeist um junge, männliche oder weibliche Erwachsene, die vorwiegend aus Frankreich, aber auch aus der Westschweiz stammen. Die Rekrutierung erfolgt über soziale Netzwerke mit dem Versprechen auf schnelles und einfaches Geld. Hinter den verlockenden Aussagen der Auftraggeber verbirgt sich jedoch eine zynische Realität:
- Die Kuriere sind lediglich austauschbare Ausführende, die deutlich schlechter bezahlt werden, als versprochen.
- Sie müssen den Hintermännern ihre eigenen persönlichen Daten übergeben.
- Wenn die Resultate als ungenügend erachtet werden, können sie Drohungen und Gewalt ausgesetzt sein oder von ihren eigenen Auftraggebern bei der Polizei angezeigt werden.
Die Westschweizer Polizeikorps erinnern daran, dass diese Kuriere in erster Linie eine strafrechtliche Verantwortung für die beschämenden Straftaten gegen verletzliche Opfer tragen. Sie setzen sich juristischen Konsequenzen aus, was Untersuchungshaft und einen Eintrag ins Strafregister einschliesst. Zudem ist die Identifikationsquote hoch. Die Polizei ruft diese jungen Erwachsenen dazu auf, wachsam zu sein und sich nicht von irreführenden Anzeigen sowie der Illusion von angeblich schnellem Geld täuschen zu lassen.
Praeventionshinweise
Die folgenden Präventionshinweise sind weiterhin relevant und sollen möglichst breit verbreitet werden:
- Legen Sie sofort auf, wenn eine Person am Telefon Druck auf Sie ausübt.
- Übergeben Sie Unbekannten niemals Bargeld, Bankkarten oder Schmuck, auch wenn sich diese als Polizisten ausgeben.
- Lassen Sie keine unbekannten Personen in Ihre Wohnung.
- Geben Sie niemals Passwörter oder Bankdaten an Dritte weiter.
- Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über dieses Phänomen und sensibilisieren Sie ältere Mitmenschen.
- Wählen Sie bei Zweifeln oder einer verdächtigen Kontaktaufnahme die Nummer 117!
Quelle der Meldung: Police cantonale jurassienne
