Schwyz SZ: «Stärker als Gewalt» schockt 1000 Jugendliche

SZ 4.05.2026 · 08:06

Im Monat Mai und Juni 2026 wird in den Kantonsschulen Schwyz und Ausserschwyz die interaktive Ausstellung «Stärker als Gewalt» zur Prävention häuslicher Gewalt gezeigt.

Im Kanton Schwyz ist häusliche Gewalt kein seltenes Ereignis. Alle 36 Stunden wird dort ein entsprechender Vorfall verzeichnet. Der Kommandant der Kantonspolizei Schwyz führt aus: «Im Jahr 2025 haben 247 Personen eine Meldung bei der Polizei gemacht, 2024 waren es 235 Opfer». Zudem sei anzunehmen, dass die Dunkelziffer weitaus höher liege. Um diesen besorgniserregenden Zahlen frühzeitig zu begegnen, setzt der Kanton Schwyz auf präventive Massnahmen. Die interaktive Ausstellung «Stärker als Gewalt» wird im Mai und Juni 2026 während insgesamt 25 Tagen an der Kantonsschule Kollegium Schwyz sowie an der Kantonsschule Ausserschwyz in Pfäffikon präsentiert. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren sowie an das betroffene Fach- und Berufspublikum. Andere Interessierte können die Ausstellung am Tag der offenen Tür besichtigen. Das Ziel besteht darin, über häusliche Gewalt zu informieren, für Warnzeichen zu sensibilisieren und konkrete Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Prävention dort, wo Gewaltmuster entstehen können

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass häusliche Gewalt sozial vererbt werden kann. Häufig wird dieses Verhalten schon in der Kindheit als Option zur Konfliktbewältigung erlernt. Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, soll der Präventionsarbeit bei Jugendlichen eine hohe Priorität zukommen. Das primäre Ziel der Ausstellung ist es, junge Menschen direkt über Hilfsangebote und Verhaltensweisen aufzuklären. Der Koordinator Gesundheitsförderung und Prävention an Sek-II-Schulen bei gesundheit schwyz und OK-Chef der Ausstellung erklärt: «Nach dem Motto ‹Vorbeugen statt heilen› setzt die Ausstellung an, bevor Gewalt eskaliert, und zeigt Jugendlichen, wie sie Gefahren erkennen und wo sie Hilfe bekommen».

Ein Blick hinter die Wohnungstüre

Beim Rundgang betreten die Besucherinnen und Besucher eine scheinbar gewöhnliche Wohnung und erhalten Einblick in den Alltag einer Familie. In den verschiedenen Räumen kommen Betroffene aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu Wort: Opfer, gewaltausübende Personen, Kinder und Jugendliche sowie passive Beobachter. Durch persönliche Erfahrungsberichte und interaktive Stationen wird die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Formen häuslicher Gewalt angeregt und die Reflexion über die eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen gefördert.

Ein Gymnasiast schildert seine Eindrücke: «Die Ausstellung hat mich sehr berührt. Ich habe die persönlichen Geschichten, die Schreie und Stille und auch die Notrufe richtig gespürt. Gewalt zu erleben oder mitzuerleben macht das Leben von Kindern und Jugendlichen kaputt – und diese Erfahrungen nehmen die Betroffenen oft lange mit». Für Klassen von Berufs- und Mittelschulen sowie der 3. Sekundarstufe werden pädagogisch und didaktisch begleitete Führungen angeboten. Dabei wird jede Schulklasse von zwei Fachpersonen betreut – einem Polizisten und einer Fachperson aus dem Sozial- und Beratungsbereich.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bei «Stärker als Gewalt» handelt es sich um ein interkantonales Projekt, welches im Jahr 2019 von der Kantonspolizei Bern, der Berner Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt sowie dem Büro für Gleichstellung von Frau und Mann und für Familienfragen des Kantons Freiburg ins Leben gerufen wurde. Dass das Projekt nun erstmals im Kanton Schwyz realisiert werden kann, ist der Zusammenarbeit zahlreicher Partner zu verdanken: dem Amt für Gesundheit und Soziales, dem Amt für Volksschulen und Sport, der Fachstelle gesundheit schwyz, der Kantonspolizei, der KESB, der Einzel-, Paar- und Familienberatung der Triaplus AG sowie der Opferberatung Schwyz und Uri.

Der Regierungsrat und Vorsteher des Departements des Innern betont: «Häusliche Gewalt geht häufig mit erheblichen psychischen Belastungen einher. Für Betroffene, für Kinder und für das gesamte Umfeld. Mit dieser Ausstellung setzen die Fachpersonen des Kantons ein starkes und interdisziplinäres Zeichen für wirksame Prävention».

Quelle der Meldung: KAPO SZ

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  Redaktion Unfallmeldungen       4 Mai, 2026 08:06