Neuenburg NE: 18 Mio. erbeutet – 5000 falsche Polizei-Anrufe
Im Monat Juli 2026 warnen Westschweizer Polizeikorps vor über 5’000 Betrugsfällen mit falschen Polizisten seit 2022 und verstärken Ermittlungen, Koordination und Prävention. In der Westschweiz verzeichnen die Polizeibehörden seit dem Jahr 2022 eine explosionsartige Zunahme von Betrugsdelikten durch falsche Polizisten. Bislang wurden mehr als 5000 derartige Anzeigen erstattet. Die Schadenssumme beläuft sich auf über 18 Millionen Schweizer Franken. Das gestohlene Geld geht an kriminelle Netzwerke, die ihren Hauptsitz vorwiegend in Frankreich haben. Um gegen die Täterschaft vorzugehen und die Hintermänner aufzuspüren, bündeln die Polizeikorps der Romandie und das Bundesamt für Polizei (fedpol) ihre Kräfte.
Vorgehen der Täterschaft
Die Masche der Kriminellen ist ausgereift. Ein Drahtzieher ruft ältere Personen in der Westschweiz an und gibt sich am Telefon als Bankangestellter oder Polizist aus. Er behauptet, es habe betrügerische Manipulationen am Bankkonto gegeben, und gibt vor, dem Opfer helfen zu wollen. Anschliessend schickt der Hintermann einen Komplizen an den Wohnort der älteren Person. Dieser gibt an, Kontrollen durchführen zu müssen, und fordert Schmuck, Bargeld oder die Bankkarte. Mit dieser Beute verschwindet der Komplize. Die Betrugsmasche funktioniert grösstenteils über psychologischen Druck, indem die Opfer in einen Zustand der Angst und Dringlichkeit versetzt werden, sodass sie kaum Zeit haben, die Situation zu hinterfragen. Trotz regelmässiger Präventionskampagnen und zahlreicher Festnahmen kam es seit 2022 zu den erwähnten über 5000 Anzeigen und einem Gesamtschaden von über 18 Millionen Franken.
Verstärkte Koordination der Westschweizer Polizeibehörden
Die bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass organisierte kriminelle Gruppierungen hinter den Betrugsfällen stecken, welche hauptsächlich von Frankreich aus agieren. Als Gegenmassnahme hat die Lateinische Konferenz der Leiter der Kriminalpolizei im vergangenen Februar in enger Zusammenarbeit mit dem fedpol eine gemeinsame Operation ins Leben gerufen. Diese verfolgt drei Ziele: Die Ermittlungen gegen die Drahtzieher sollen gebündelt werden, die in der Schweiz aktiven Komplizen sollen abgeschreckt und behindert werden, und die Prävention wird intensiviert.
Die Illusion des schnellen Geldes: die zynische Realität der „Kuriere“
Für die Abholung der Beute in der Schweiz heuern die kriminellen Netzwerke sogenannte Kuriere an. Es handelt sich dabei mehrheitlich um junge weibliche und männliche Erwachsene, die vor allem aus Frankreich, aber auch aus der Romandie stammen. Die Rekrutierung erfolgt über soziale Netzwerke, in denen schnelles und leicht verdientes Geld versprochen wird. Doch die Realität hinter diesen verlockenden Versprechen ist zynischer: Die Kuriere fungieren als austauschbare Handlanger und erhalten deutlich weniger Lohn als zugesichert. Zudem werden sie dazu gebracht, ihre eigenen personenbezogenen Daten an die Auftraggeber zu übermitteln. Zeigen die Resultate nicht den Erwartungen zu entsprechen, drohen die Hintermänner den Kuriere mit Gewalt, Drohungen oder einer Anzeige bei der Polizei.
Die Polizeibehörden der Westschweiz betonen, dass diese Kuriere in erster Linie strafrechtlich für die Verübung besonders verwerflicher Straftaten an schutzbedürftigen Opfern verantwortlich sind. Sie müssen mit Konsequenzen wie Untersuchungshaft und einem Eintrag im Strafregister rechnen. Zudem ist die Aufklärungsquote hoch. Die Polizei appelliert an die jungen Erwachsenen, wachsam zu bleiben, nicht auf diese irreführenden Anzeigen einzugehen und sich nicht von der Illusion des angeblich leicht verdienten Geldes täuschen zu lassen.
Präventionstipps
Die Polizei weist darauf hin, dass die folgenden Ratschläge weiterhin relevant sind und möglichst breit verbreitet werden sollen:
- Beenden Sie das Telefongespräch sofort, wenn die anrufende Person Sie unter Druck setzt.
- Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Schmuck, Bankkarten oder Bargeld, selbst wenn diese behaupten, von der Polizei zu sein.
- Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung.
- Geben Sie Bankdaten oder Passwörter nie an Dritte weiter.
- Sprechen Sie in Ihrem Umfeld über dieses Phänomen und sensibilisieren Sie ältere Personen dafür.
- Wählen Sie bei verdächtigen Anfragen oder im Zweifelsfall die Nummer 117.
Quelle der Meldung: Neuenburger Polizei
