Bern BE: Ohne Schengen droht Verlust von 1300 Franken pro Kopf

BE 18.09.2026 · 11:54
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Am Freitag (18.09.2026) hat der Bundesrat einen Bericht verabschiedet: Ein Wegfall von Schengen/Dublin würde Sicherheit und Wirtschaft der Schweiz schaden.

Bern, 18. September 2026 – Die Schweiz profitiert in wirtschaftlicher wie auch in sicherheitspolitischer Hinsicht in erheblichem Masse von den Schengen-/Dublin-Abkommen mit der Europäischen Union. Zu diesem Ergebnis gelangt der Bundesrat in einem Bericht, den er an seiner Sitzung vom 18. September 2026 verabschiedet hat. Falls die Assoziierung wegfallen sollte, könnte sich das Schweizer Bruttoinlandprodukt im Jahr 2035 um bis zu 3,9 Prozent verringern. Der jährliche Einkommensverlust pro Kopf könnte bis zu 1300 Franken betragen.

Ein möglichst barrierefreier und flüssiger Grenzübergang für den Handels- und Personenverkehr ist für den Wohlstand sowie die Attraktivität des Standorts Schweiz von Bedeutung. Ohne Schengen/Dublin wären die Nachbarstaaten aufgrund von EU-Recht verpflichtet, alle Ein- und Ausreisen zu kontrollieren, da die Schweizer Grenze zur Schengen-Aussengrenze würde. Auch die Schweiz müsste ihrerseits das Personal sowie die Infrastruktur für Kontrollen an den Grenzen erheblich aufstocken. Dies hält der Bundesrat in seinem Bericht fest, den er im Auftrag des Nationalrats (Postulat 24.3946 FDP-Liberale-Fraktion) verfasst hat. Darin analysiert er gestützt auf eine externe Studie die Auswirkungen eines Wegfalls der Schengen-/Dublin-Assoziierung für das Jahr 2035.

Stau an der Grenze

Fehlt der freie Grenzverkehr, könnten Grenzgängerinnen und Grenzgänger im Jahr 2035 an jedem Werktag insgesamt 422’000 Stunden im Stau stehen. Die Gesamtzeitkosten durch Staus beziffert die Studie auf 1,08 bis 2,27 Milliarden Franken. Die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger könnte infolge der Grenzkontrollen um bis zu 60 Prozent zurückgehen, wovon die Pflege und die Gastronomie besonders betroffen wären. Darüber hinaus erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass bis zu 170’000 Personen ihren Wohnsitz in die Schweiz verlegen könnten.

Auch auf den Tourismus hätte ein Wegfall Konsequenzen. Die Schengen-Assoziierung gestattet visumspflichtigen Touristen das freie Reisen im gesamten Schengen-Raum. Ohne diese Regelung würde der administrative und finanzielle Aufwand steigen, um ein separates Visum für die Schweiz zu beantragen. Die Studie rechnet für den Schweizer Tourismus im Jahr 2035 mit Einbussen bei den Einnahmen und einem Rückgang der Nachfrage zwischen 320 und 810 Millionen Franken.

Ebenfalls im Asylbereich zieht die Schweiz Nutzen aus der Assoziierung. Ohne Dublin müsste die Schweiz auch Anträge von Asylsuchenden bearbeiten, die bereits in einem anderen Dublin-Staat ein Gesuch eingereicht haben. Da eine Überstellung in einen anderen Dublin-Staat nicht mehr möglich wäre, blieben Asylsuchende zudem länger in der Schweiz. Die Studie geht von Mehrkosten zwischen 166 und 824 Millionen Franken aus.

Die Ausmasse der volkswirtschaftlichen Einbussen der Schweiz bei einem Ausfall von Schengen/Dublin hängen auch davon ab, wie kooperationsbereit die EU und die Nachbarstaaten sind. Der Stau an den Grenzen würde sich umso mehr verlängern, je weniger Kontrollpersonal diese bereitstellen. Die Schweiz würde sich dadurch in eine Abhängigkeit begeben.

Nutzen von Schengen-/Dublin übersteigt die finanziellen Aspekte deutlich

Der Nutzen, den die Schengen-/Dublin-Datenbanken und die grenzüberschreitende Kooperation für die innere Sicherheit erbringen, lässt sich zahlenmässig nicht erfassen. Die Sicherheitsbehörden verzeichneten allein im Schengener Informationssystem (SIS) im Jahr 2025 knapp 40’000 für die Schweiz relevante Treffer, namentlich zu kriminellen oder gefährlichen Personen. Den Verlust dieser Kooperationsinstrumente und Datenbanken könnte die Schweiz auch nicht durch eigene Massnahmen ausgleichen. Es bestünde die Gefahr, dass Bedrohungslagen zu spät oder gar nicht erkannt würden und die Strafverfolgung erschwert würde.

Die Finanzen, die die Schweiz bei einem Ende der Schengen-/Dublin-Zusammenarbeit einsparen könnte, würden bei Weitem nicht ausreichen, um die Zusatzkosten für die erforderliche Wiedereinführung von Grenzkontrollen, den Betrieb eigener Datenbanken sowie die Wahrung der inneren Sicherheit zu decken. Das Sicherheitsniveau, welches die Schweiz dank der Assoziierung erreicht, liesse sich selbst mit beträchtlichen zusätzlichen finanziellen Mitteln nicht vollständig gewährleisten.

Quelle der Meldung: Der Schweizerische Bundesrat

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  Redaktion Unfallmeldungen       18 September, 2026 11:54